Pfändung: Wenn Gläubiger ihre Forderungen eintreiben

Pfändung und SchuldnerberatungMiete, Lebenshaltungskosten, die Raten für den Autokredit und die Handyrechnung: Bei immer mehr Menschen reicht das Einkommen nicht aus, um alle ihre Ausgaben damit zu bestreiten. In einem solchen Fall wird von einer Überschuldung gesprochen. Rund 6,9 Millionen Menschen im Alter über 18 Jahren sind in Deutschland laut Angaben des Schuldneratlas 2017 davon betroffen. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Anstieg um 0,9 Prozent zu verzeichnen. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass zunehmend ältere Menschen von einer Überschuldung betroffen sind.

Können offene Rechnungen aufgrund einer Überschuldung nicht mehr bezahlt werden, hat dies weitreichende Folgen für den betroffenen Schuldner. Zunächst wird der Gläubiger ihn mit Mahnungen an die Zahlung der offenen Beträge erinnern. Ist dies nicht erfolgreich, muss der Gläubiger die Unterstützung durch ein Gericht suchen. Dieses stellt einen gerichtlichen Mahnbescheid aus, in welchem dem Schuldner mitgeteilt wird, welche Schulden er hat. Bleibt die Zahlung weiterhin aus, kann der Gläubiger im Anschluss einen offiziellen Vollstreckungstitel, in der Regel einen Vollstreckungsbescheid, erlangen.

Dieser gibt ihm schließlich die Möglichkeit, eine Pfändung im Rahmen der Zwangsvollstreckung zu veranlassen. Durch diesen Vorgang möchte der Gläubiger an das ihm zustehende Geld kommen. Grundsätzlich gibt es mehrere Arten der Pfändung, die sich unterschiedlich auf den Schuldner und sein Leben auswirken.

Der Gerichtsvollzieher pfändet bewegliche Sachen

Kommt es zu einer Zwangsvollstreckung, kann bald der Gerichtsvollzieher vor der Wohnungstür stehen und eine Sachpfändung durchführen. Im Rahmen dieses Vorganges wird die Wohnung nach verwertbaren Gegenständen durchsucht. Betroffene Schuldner müssen jedoch keine Sorge haben, dass sofort ihre komplette Einrichtung mitgenommen wird.

Schuldenberatung bei drohender Insolvenz

Grundsätzlich gilt, dass nur solche Gegenstände gepfändet werden, die auch einen entsprechenden Erlös versprechen. Hierzu gehört etwa Bargeld, aber auch Schmuck oder Wertpapiere lassen sich zu Geld machen, welches dann an den Gläubiger ausgezahlt wird.

Bestimmte Gegenstände sind zusätzlich vor der Pfändung geschützt. Kleidung, Küchengeräte, Brillen oder Haustiere dürfen in der Regel nicht gepfändet werden. Auch Dinge, die zur Ausübung des Berufs benötigt werden, sind in der Regel von der Pfändung ausgenommen.

Pfändung von Konto und Lohn: Das sollten Schuldner wissen

Neben der Sachpfändung, bei der es um Gegenstände geht, können Gläubiger aber auch direkt beim Geld des Schuldners ansetzen. Wichtige Optionen sind hierbei die Lohn- und die Kontopfändung. Bei Ersterem wird das Einkommen des Schuldners direkt beim Arbeitgeber gepfändet. Dieser wird also über die finanzielle Situation seines Arbeitnehmers informiert. Der Arbeitgeber wird zum Drittschuldner und ist dazu verpflichtet, den pfändbaren Teil des Einkommens an den Gläubiger zu überweisen. Wie hoch dieser Betrag ausfällt, bemisst sich anhand der Pfändungsfreigrenze. Einfluss darauf, wie viel ein Schuldner von seinem Einkommen behalten darf, haben die Höhe seines Einkommens sowie seine Unterhaltsverpflichtungen.

Bei einer Kontopfändung wird demgegenüber ein Bankkonto beschlagnahmt, damit der Gläubiger an das ihm zustehende Geld kommen kann. Im schlimmsten Falle würde das Guthaben damit komplett an den Gläubiger gehen. Wie das Portal schuldnerberatung.de erklärt, besteht die einzige Möglichkeit, das Konto zu schützen, darin, ein sogenanntes Pfändungsschutzkonto – kurz P-Konto genannt – einzurichten. Schuldner haben die Möglichkeit, ein bestehendes Girokonto umwandeln zu lassen oder aber ein neues P-Konto zu eröffnen.

Dieses hat die gleichen Funktionen wie ein herkömmliches Girokonto. Schuldner können es also weiterhin nutzen, um Überweisungen zu tätigen oder Geld abzuheben. Darüber hinaus ist ein Betrag von mindestens 1.133,80 Euro (Stand April 2018) im Monat vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt. Über dieses Geld kann der Schuldner weiterhin verfügen, damit ihm eine angemessene Lebensführung möglich ist. Unter gewissen Umständen lässt sich der Freibetrag auch erhöhen, etwa wenn der Betroffene Kinder hat.

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